Antifeminismus - eine unterschätzte Gefahr!

Organisierter Antifeminismus im Kampf gegen Gleichstellung und Vielfalt

Antifeminismus ist kein neues Phänomen – es gibt ihn, seit es Feminismus gibt. Vorwürfe, dass Feminismus Frauen ehe- und kinderlos machen würde oder auch die Befürchtung einer „Femokratie“, also die Vorstellung einer politischen und gesellschaftlichen Übermacht feministischer Ideen und Gedanken, begleiten Frauenbewegungen und feministische Kämpfe durch ihre Geschichte. Manche Anliegen, wie beispielsweise die Bekämpfung des Wahlrechts für Frauen, sind über die Zeit unpopulärer geworden, andere überdauern die Jahrzehnte, wie die Diskussion um die Abschaffung des Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen (§218), und wieder andere kommen neu hinzu, wie etwa Angriffe gegen die Aufklärung über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. So wie sich feministische Ziele und Forderungen im Laufe der Zeit verändern, so anpassungsfähig äußern sich ihre Gegner:innen.

 

Antifeministische Bewegungen zielen auf das Zurückdrängen bisheriger und dem Verhindern zukünftiger gesellschaftlicher Errungenschaften, wie die Gleichstellung von Frauen oder die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Um Antifeminismus wirksam begegnen zu können, muss er zuallererst in seinen vielfältigen Formen erkannt und ein Bewusstsein für sein Wirken geschaffen werden.

„Antifeminismus bedeutet, feministische Anliegen und Positionen pauschal, aktiv und oft organisiert zu bekämpfen oder zurückzuweisen, sei es als Individuum in Internet-Diskussionen, sei es in Parteien oder anderen Gruppierungen.“

(Quelle: Gender-Mediathek des Gunda-Werner-Institut)

Das bedeutet, Antifeminismus ist ein organisiertes, auf der politisch-strukturellen Ebene ansetzendes Vorgehen gegen emanzipatorische Anliegen. Eine pauschale Ablehnung bedeutet in diesem Kontext, dass Antifeminismus mit einem generalisierten Feindbild arbeitet. Antifeministische Angriffe richten sich daher auch gegen Anliegen und Personen unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um feministische Ideen, Forderungen oder Akteur:innen handelt.

Antifeministische Bewegungen zielen in der Regel auf das Zurückdrängen bisheriger und dem Verhindern zukünftiger gesellschaftlicher Errungenschaften, wie die Gleichstellung der Geschlechter oder die Sichtbarkeit und Selbstverständlichkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Häufig schließen sich verschiedene Akteur:innen – vom rechtskonservativen Spektrum über religiös fundamentalistische Zusammenhänge bis hin zur extremen Rechten – zusammen, um gemeinschaftlich gegen emanzipatorische Anliegen mobil zu machen. Antifeminismus wird daher auch als „Scharnier“ zwischen verschiedenen politischen Strömungen und deren Vertreter:innen bezeichnet (1).

 

Antifeminismus kann zum einen als Ideologie verstanden werden, die auf der Annahme einer biologisch oder religiös begründeten, angeblich natürlichen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern beruht. Die Infragestellung der als natürlich angesehenen Zweigeschlechtlichkeit wird dabei als Angriff auf die bestehende Gesellschaftsordnung gesehen (2). Denn die Gesellschaftsordnung ist an vielen Stellen maßgeblich durch Geschlecht geprägt und strukturiert, etwa durch die Vorstellung vom Mann als starkem Versorger und der Frau als passiver, schutzbedürftiger Fürsorgerin, eine geschlechtergetrennte Arbeitsteilung sowie die Betrachtung der Kleinfamilie aus Vater, Mutter und Kind(ern) als gesellschaftliche Grundlage (Familismus).

Durch die vermeintlich „natürliche“ Ordnung werden nicht nur queere Lebensweisen abgelehnt, sondern auch traditionelle Geschlechterrollen zementiert und als unveränderlich angesehen. Nichtheterosexuelle Lebensweisen, queere Identitäten und gleichberechtigte Beziehungsmodelle stellen dieses starre Weltbild infrage, werden als „unnatürlich“ oder „nicht normal“ abgewertet und geraten ins Visier antifeministischer Angriffe.

 

Antifeminismus ist daher zum anderen nicht bloß eine persönliche Überzeugung, sondern ein politisches Programm und eine Gegenbewegung zu emanzipatorischen Gesellschaftsveränderungen (3).

Das zugrundeliegende antimoderne Weltbild liefert zudem einen nahtlosen Anschluss an weitere Ideologien der Ungleichheit, wie etwa Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Antisemitismus (4), weshalb Antifeminismus auch eine ideologische Brückenfunktion zugeschrieben wird (5).

 

Nicht zuletzt aufgrund der hohen Anschlussfähigkeit antifeministischer Einstellungen in der Gesamtgesellschaft nutzen Akteur:innen der (extremen) Rechten antifeministische Feindbilder und Erzählungen, um in breitere Teile der Gesellschaft hineinzuwirken. Antifeminismus funktioniert daher ebenfalls als Vehikel, mit dem radikale Positionen breiter zugänglich gemacht und in der Gesellschaft gefestigt werden (6).

 

Verweise

 

(1) Lang, Juliane & Peters, Ulrich (2018). Antifeminismus in Deutschland: Einführung und Einordnung des Phänomens. In dies. (Hrsg.), Antifeminismus in Bewegung: Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt, S. 13–35. Hamburg: Marta Press.

(2) Heß, Cordelia (2024). Antifeminismus. In F. Virchow, et al. (Hrsg.), Handbuch Rechtsextremismus, S. 1–13. Wiesbaden, Springer VS.

(3) Henniger, Annette (2020). Antifeminismen: ‚Krisen‘-Diskurse mit gesellschaftsspaltendem Potenzial? In A. Henniger & U. Birsl (Hrsg.), Antifeminismen: ›Krisen‹-Diskurse mit gesellschaftsspaltendem Potential?, S. 9–41. Bielefeld: transcript.

(4) Blum, Rebekka (2019): Angst um die Vormachtstellung. Zum Begriff und zur Geschichte des deutschen Antifeminismus. Hamburg: Marta Press.

(5) Höcker, Charlotte et al. (2020). Antifeminismus—Das Geschlecht im Autoritarismus? Die Messung von Antifeminismus und Sexismus in Deutschland auf der Einstellungsebene. In O. Decker & E. Brähler (Hrsg.), Autoritäre Dynamiken. Alte Ressentiments—Neue Radikalität, S. 249–282. Gießen: Psychosozial-Verlag.

(6) Blum, Rebekka & Haas, Julia (2024). Antifeminismus—Agitationsfeld und Betätigungsmöglichkeit für rechte Aktivistinnen. In F. Kaufmann & L. Sierts (Hrsg.), Medienpädagogische Interventionen im Feld der Neuen Rechten, S. 47–64. Leverkusen: Verlag Barbara Budrich.

 

Grafik:

Netzwerk feministische Perspektiven & Interventionen gegen die (extreme) Rechte (2022).

Häufig werden die Begriffe Antifeminismus, Sexismus und Misogynie gleichbedeutend genutzt. Zwar bauen antifeministische Vorstellungen immer auf (hetero-)sexistischem Denken auf, doch Sexismus, Misogynie und Antifeminismus sind miteinander zusammenhängende, aber voneinander abgrenzbare Phänomene. Für die Betrachtung und Einordnung gesellschaftlicher Entwicklungen ist daher eine analytische Trennschärfe wichtig.

 

Sexismus umfasst sowohl individuelle Einstellungen und Verhaltensweisen als auch institutionelle und kulturelle Praktiken, bei denen Personen aufgrund ihres (zugeschriebenen) Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert, abgewertet oder benachteiligt werden (1). Er kann sich in konkreten Handlungen, unbewussten Verhaltensweisen oder in strukturellen Ungleichheiten – zum Beispiel ungleicher Bezahlung – zeigen (2). Sexismus bildet dabei ein grundlegendes Moment von Antifeminismus.

 

Misogynie bezeichnet die grundsätzliche Abwertung von Frauen und ein Verständnis, nach dem Frauen von Natur aus minderwertig oder Männern unterlegen seien. Sie äußert sich in Herabsetzung, Kontrolle und Gewalt bis hin zu Femiziden.

 

Antifeminismus hingegen kann als eine Weltanschauung verstanden werden, die eine Gegenposition zu modernen, liberalen und vielfältigen Geschlechterverhältnissen einnimmt. Antifeminismus ist die politisierte Umsetzung sexistischer Vorstellungen und eine organisierte Gegnerschaft zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen (3). Er richtet sich gegen Strukturen und strukturelle Veränderungen sowie gegen Personen, die stellvertretend für diese Prozesse stehen. Misogynie dient dabei häufig als Werkzeug, um diese Ziele durchzusetzen (4).

Ein plakatives Beispiel zur Verdeutlichung der Unterschiede von Sexismus, Misogynie und Antifeminismus

 

Eine Person beobachtet, wie ein Auto eingeparkt wird und meint: „Da sitzt sicher 'ne Frau drin, ein Mann hätte das in der Hälfte der Zeit geschafft!“
Diese Aussage kann als sexistische Verhaltensweise bewertet und kritisiert werden. Sie ist jedoch nicht per se als antifeministisch einzuordnen.

 

Misogyn gewendet könnte die Aussage lauten: „Frauen können einfach nicht richtig einparken - das liegt in ihrer Natur! Beim nächsten Mal sollte die mal lieber ihren Mann machen lassen.“
Von der zunächst stereotypen, sexistischen Annahme wird hier auf eine pauschale Abwertung von Frauen gewechselt und auf die Notwendigkeit männlicher Autorität verwiesen.

 

Einen Schritt weiter könnte die gleiche Situation antifeministisch kommentiert werden mit: „Frauen gehört der Führerschein entzogen! Erst der Feminismus hat die Frauen überhaupt auf die unsinnige Idee gebracht, sich hinter‘s Steuer setzen zu wollen!“  
Sowohl die eine als auch die andere Aussage greift Prozesse der gesetzlichen und strukturellen Gleichberechtigung an und stellt sich gegen (erreichte) Emanzipationsbestrebungen.

 

Wir sehen hier, wie ein sexistisches Klischee mit nur wenig Veränderung in eine misogyne Haltung übersetzt werden kann, die schließlich in der antifeministischen politischen Forderung mündet, Frauen in ihren Freiheitsrechten einzuschränken.

Ein weiteres Beispiel für die Unterschiede von sexistischen, misogynen und antifeministischen Aussagen

 

Die Aussage: „Männer sind für handwerkliche Berufe einfach besser geeignet als Frauen“ zeugt von einem konservativen Geschlechterbild und einem Denken in sexistischen Stereotypen.

 

Misogyn gewendet verschärft sich die Aussage. Sie könnte zum Beispiel so formuliert werden: „Frauen sind für klassische Männerberufe wie das Handwerk einfach nicht geeignet und sollten bei dem bleiben, was sie von Natur aus können: Haushalt, Erziehung und Soziales.“

Der Hinweis auf eine geschlechtsbasierte unterschiedliche Eignung für bestimmte Tätigkeiten wird hier zu einem grundsätzlichen weiblichen Mangel gesteigert und Frauen auf ihren vermeintlich „rechtmäßigen“ Platz verwiesen.

 

Antifeministisch formuliert könnte die Aussage in etwa so lauten: „Die Quote sorgt dafür, dass Frauen in Männerdomänen vordringen und besser qualifizierten Männern die Jobs wegnehmen“ oder auch „Feminismus verleitet Frauen dazu sich in männliche Berufsfelder zu drängen“.

Auf der Handlungsebene könnte dies die Organisation einer Demonstration oder einer Kampagne gegen Frauen im Handwerk nach sich ziehen.

 

Zu beobachten ist auch hier der Dreischritt vom Stereotyp über die grundsätzliche Abwertung bis hin zur politischen Einordnung und daraus folgender Agitation.

Auch in diesen vereinfachten Beispielen ist die Unschärfe der Begrifflichkeiten sichtbar. Die wiederholte Konfrontation mit sexistischen Stereotypen und somit mit negativen Reaktionen und Bemerkungen, aber auch mit misogyner – meist verbaler, aber auch körperlicher – Gewalt kann beispielsweise dazu führen, dass Frauen auch ohne ein gesetzliches Fahrverbot vermeiden Auto zu fahren oder seltener Berufswünsche ergreifen, die männlich dominiert sind.

 

Zusammenfassend: Antifeminismus ist als eigenständige Ideologie und Sexismus als ein grundlegender Teil darin zu fassen, aber nicht mit diesem gleichzusetzen. Misogynie kann zusätzlich als generelle Abwertung von Frauen und Weiblichkeit sexistische Stereotype verstärken und durch ihr gewaltvolles Moment eine antifeministische Wirkung entfalten. Durch die Verwobenheit der Begrifflichkeiten entstehen fließende Grenzen und eine klare und eindeutige begriffliche Trennung ist häufig schwierig.

Verweise

(1) Becker, Julia C. (2014). Subtile Erscheinungsformen von Sexismus. Aus Politik und Zeitgeschichte 64(8), S. 29-34.

(2) Schmincke, Imke (2018). Frauenfeindlich, sexistisch, antifeministisch? Begriffe und Phänomene bis zum aktuellen Antigenderismus. Aus Politik und Zeitgeschichte, 68(17), S. 28–33.

(3) Lang, Juliane & Fritzsche, Christoph (2018). Backlash, neoreaktionäre Politiken oder Antifeminismus? Forschende Perspektiven auf aktuelle Debatten um Geschlecht. In: feministische studien, 36, Heft 2, S. 335–346.

(4) femPI & Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus. (2022). Impulspapier: Antifeminismus. Plädoyer für eine analytische Schärfe.

Antifeministische Aktivitäten können sich sowohl in parlamentarischen Bestrebungen, beispielsweise in der Förderung oder Verhinderung von Gesetzen, als auch in einem Shitstorm gegen feministische Politiker:innen und Aktivist:innen im digitalen Raum ausdrücken. Auch Demonstrationen gegen Schwangerschaftsabbrüche oder das Abfangen von Schwangeren vor Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, sogenannte Gehsteigbelästigungen, stellen antifeministische Vorgehensweisen dar.

 

Antifeministische Angriffe finden häufig in organisierter Form und zielgerichtet statt. Sie können von Netzwerken, Gruppierungen, Parteien oder Einzelpersonen ausgehen und sind politisch motiviert. Die Angriffe zielen häufig auf Strukturen beziehungsweise stellvertretend auf die im Arbeitsfeld tätigen Personen ab, wie beispielsweise Mitarbeitende von Gleichstellungsstellen in Städten, Kommunen oder Verbänden. Mit ihrer Tätigkeit stehen sie für eine strukturelle Veränderung hin zu mehr Gleichberechtigung und sind damit qua Beruf ein Angriffsziel von antifeministischen Personen und Gruppen.

 

Reformen und Bestrebungen, die sich für mehr Gleichberechtigung und Vielfalt aussprechen, werden von antifeministischer Seite aus kategorisch abgelehnt und Vertreter:innen dieser Standpunkte angegriffen. So sind Institutionen und Organisationen, die die Interessen von Frauen und queeren Personen vertreten, wie etwa Frauenberatungsstellen oder Frauenhäuser, ebenso Ziele wie Beratungsstellen oder Bildungsprojekte im Bereich geschlechtlicher und sexueller Vielfalt.

 

Auch Professor:innen im Bereich der Geschlechterforschung/Gender Studies oder Personen, die öffentlich zu feministischen Anliegen sprechen, wie Politiker:innen, feministisch Aktive oder Journalist:innen, geraten ins Visier von antifeministischen Akteur:innen. Dabei reicht das Spektrum der Angriffe von Beleidigungen und Verleumdung über persönlichen Einschüchterung, Bedrohung bis hin zur politisch motivierten Gewalt.

 

Nicht zuletzt erleben trans*, inter und nicht-binäre Personen an vielen Stellen die ganze Härte antifeministischer Ideologie. Menschen, die sich außerhalb einer binären Geschlechterlogik verorten oder nicht heterosexuell l(i)eben, passen nicht in das konservative Denk-Schema von organisierten Antifeminist:nnen. So sind es gerade queere Personen, die von antifeministischen Anfeindungen direkt oder strukturell betroffen sind, wie jüngste Diskussionen um das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz und zunehmende Angriffe auf Christopher Street Day (CSD) und Pride-Paraden zeigen.

 

Nach rechten Terroranschlägen wie beispielsweise in Halle, Christchurch oder Oslo und Utøya wurde Antifeminismus öffentlich stärker diskutiert. Bei den Terrorakten wurde Antifeminismus neben Rassismus und Antisemitismus als (Mit-)Motiv der Täter sichtbar. Dieser ideologische Dreiklang (Antifeminismus, Rassismus und Antisemitismus) verbindet sich in Verschwörungserzählungen wie etwa der vom „Großen Austausch“ und forderte bereits unzählige Menschenleben.

 

Doch wie verbinden sich die drei Ideologien? Extrem rechte Attentäter geben „dem“ Feminismus die Schuld an einem angeblichen Geburtenrückgang in westlichen Gesellschaften. Denn der Feminismus verleite Frauen zu Ehe- und Kinderlosigkeit und führe außerdem zu einer „Verweiblichung“ der Männer, die daraufhin nicht mehr in der Lage seien, die Nation gegen die vermeintlich von „geheimen Eliten“ geplante Massenmigration zu verteidigen. Feminismus sei daher verantwortlich für das von rechter Seite aus erdachte Bedrohungsszenario eines „Bevölkerungsaustausches“. Hierbei handelt es sich neben einer antifeministischen auch um eine rassistische und antisemitische Erzählung. Doch es sind nicht nur extrem rechte Attentäter, die das Feindbild Feminismus leitet.

 

Es sind ebenso christlich-fundamentalistische Kräfte, die gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch mobilisieren; Maskulinist:innen, die Männer als die eigentlich Benachteiligten sehen; selbsternannte Flirt-Coaches, die Erfolg (bei Frauen) durch deren Manipulation und Unterdrückung versprechen und dabei eine hyperdominante Männlichkeit propagieren. Gegensätzlich dazu sind Frauen auf Social Media präsent, welche sich als Ehe- und Hausfrau in einer Imagination der 50er Jahre – als sogenannte „Tradwives“ – präsentieren und so eine unterwürfige Weiblichkeit bewerben.

 

In ihren Ausprägungen sind diese Akteur:innen zwar unterschiedlich, doch ihre politische Gegner:innenschaft zu emanzipatorischen Bestrebungen verbindet sie. Antifeminismus bildet hier eine Scharnierfunktion (1) zwischen verschiedenen Akteursgruppen und ist zugleich Türöffner (2) in weitere Ideologien der Ungleichwertigkeit hinein. Über antifeministische Erzählungen soll zudem der Weg für rechte und reaktionäre Inhalte in weitere gesellschaftliche Debatten geebnet und anschlussfähig gemacht werden.

 

Im Jahr 2020 erhebt die Leipziger Autoritarismus-Studie zum ersten Mal antifeministische Einstellungsmuster in der Bevölkerung. Rund ein Fünftel der Befragten zeigten sich als überzeugt antifeministisch. Über ein Drittel der Befragten stimmten mindestens einer antifeministischen Aussage zu (3). Zwei Jahre später stellten die Wissenschaftler:innen nicht nur zunehmende antifeministische Einstellungen – inzwischen sind es rund ein Viertel der Befragten, die ein geschlossen antifeministisches Weltbild vertreten – fest, sondern auch einen nachweisbaren Zusammenhang zu weiteren rechtsextremen Einstellungen (4). 2024 wurde zudem erstmals die Verbreitung von Transfeindlichkeit in der deutschen Bevölkerung erhoben. Hier sind es über ein Drittel der Befragten, die entsprechenden Aussagen zustimmen (5).

Nicht zuletzt hängen die hohe Zustimmung zu sexistischen, frauenfeindlichen und antifeministischen Einstellungen und die Zunahme geschlechtsspezifischer Gewalt zusammen. Frauen- und queerfeindliche Abwertung und das Zurückdrängen von Emanzipationserfolgen begünstigen Dynamiken der Einschüchterung und Bedrohung und ein gesellschaftliches Klima, in dem geschlechtsspezifische Gewalt zunehmend akzeptiert wird (6).

 

Kurz: Antifeministische Einstellungen und Denkweisen haben weitreichende Folgen. Ihre systematischen Angriffe gegen Gleichstellungsprozesse und gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt widersprechen einem liberalen Demokratieverständnis und behindern den Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft.

 

 

Verweise

(1) Lang, Juliane & Peters, Ulrich (2015). Antifeministische Geschlechter- und Familienpolitiken von Rechts. 

(2) Blum, Rebekka (2021). Historische Kontinuitäten und Brüche im deutschen Antifeminismus

(3) Leipziger Autoritarismus-Studie (2020).  Autoritäre Dynamiken: Alte Ressentiments - neue Radikalität 

(4) Leipziger Autoritarismus-Studie (2022). Autoritäre Dynamiken in unsicheren Zeiten: Neue Herausforderungen - alte Reaktionen?

(5) Leipziger Autoritarismus-Studie (2024). Vereint im Ressentiment. Autoritäre Dynamiken und rechtsextreme Einstellungen.

(6) Hartmann, Ans & Rahner, Judith (2023). Problembeschreibung: Antifeminismus, geschlechtsspezifische Gewalt und Hasskriminalität. In: Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (Hrsg.). Wissen schafft Demokratie. Schwerpunkt Antifeminismus & Hasskriminalität, Band 13, Online-Ausgabe. Jena, S. 20–33.

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